NABAZTAG

Weeeeeee… nach Wochen des Hin und Hers habe ich mich nun doch entschlossen, den Nabaztag auch ohne WPA Verschlüsselung zu kaufen. Selbige (also die Version mit WPA) war das ganze Jahr über angekündigt, aber gekommen ist nichts (vermutlich wird er morgen vorgestellt - streng nach Murphy: einen Tag nachdem man das Vorgängermodell gekauft hat).

Den alten (bzw. den aktuellen) Hasen kann man dann leider nicht per Firmware auf WPA Kompatibilität upgraden. Das wird eine komplett neue Hardware sein, was auch nicht wundert, da der alte auch wohl nur 802.11b beherrscht - zumindest meiner mag mit der Fritz!box nur mit 11MBit/Sek kommunizieren.

Aber erstmal der Reihe nach. Das Teil habe ich bei Pixmania bestellt. Habe da schon öfter gekauft und nie Stress gehabt, also auch diesmal wieder. Der Preis war mit 103 EUR sogar recht günstig (EVP ist 149 EUR). Als alter Pimp-Modder mussten natürlich auch gleich andere Ohren herbei (die übrigens mit Magneten an dem Hasen angebracht sind); ich hab mich für die schwarz/weiss gestreiften entschieden. Zusammen mit den Lieferkosten, den Ohren und Märchensteuer kam der Hase dann auf 117,90 EUR.

Kurze Zeit später war der Hase hier und prompt fiel mir der “üppige” Lieferumfang ins Auge: Hase, Netzteil und ein Faltblatt mit Angabe, wo am Gerät die Nabaztag Nummer (== MAC Adresse) zu finden sei. Letzteres hätte man sich auch sparen können, da an dem ganzen Teil nur ein einziger Aufkleber mit einer Nummer (unten am Boden) angebracht ist. Naja, Kunde König ist ja bekanntlich ein “total retard”.

OK.. Anleitungen sind ja eh nur was für Weicheier.. also stört es nicht, wenn sie fehlen. Allerdings nicht im Fall von Nabaztag. Ich habe schon eine Weile gebraucht, bis ich die nötigen Informationen hatte, wie man denn das Vieh in das lokale Netz bekommt. Im Prinzip ist es aber recht einfach:

  • Stromstecker ziehen
  • Taste zwischen den Ohren gedrückt halten und Strom wieder anschliessen
  • Wenn alle LEDs blau leuchten, Taste los lassen
  • Es erscheint ein neues WiFI Netzwerk namens “nabaztagXX”
  • Mit dem eigenen Rechner dem Netzwerk joinen
  • Man bekommt eine Adresse im 192.168.0.0/24er Netzwerk
  • Der Affe Hase hat die 192.168.0.1
  • Mit dem Webbrauser auf http://192.168.0.1 zum Konfigurieren

Konfiguration:

  • WLAN Netzwerk suchen lassen
  • Beim WEP Key als HEX die Werte mit Doppelpunkt trennen!

Hat man alles fertig gemacht, muss man dem häuslichen Acces Point nur noch sagen, dass er 802.11b und 802.11g zulassen soll und auch kurzzeitig eine neue MAC Adresse akzeptieren soll. Dann den Hasen neu starten. An den LEDs kann man verfolgen, wie der Einbuchvorgang ins WLAN abläuft. Richtig ists, wenn alles grün ist - falsch ists, wenn irgendwo gelb/orange auftaucht.

Ich hatte in der Zwischenzeit auf der Nabaztag Seite meinen Hasen mit der MAC Adresse angemeldet. Aus irgend einem Grund hat er nicht gemeckert, als ich den Nicknamen “Glenda” (Plan9 läst grüssen!) angegeben hatte. Also entweder hat kein Geek da draussen einen Nabaztag oder man kann Namen mehrfach vergeben (meine anderen Optionen wären gewesen: GlenOrGlenda und EdWood ).

Wenn man seinen Account angelegt hat und der Hase im Netz hängt (und sich durch kurzes Phone-Home beim Server gemeldet hat), kann man anfangen, die Nabaztag Welt zu erforschen.

Was kann man also mit dem Teil machen?

Dazu muss man wissen, was in dem kleinen Kerl steckt: Ein Satz bunter LEDs, zwei Elektromotoren, ein Sprachsynthesizer (kann aber auch sein, dass er die Audiofiles vorgerendert vom Server bekommt!), ein Audio-Out Device (das wohl auch MP3 decoden kann) und natürlich eine WLAN Karte (nebst Webserver, DHCP Server). Wenn mir langweilig ist, werde ich ihn mal aufschrauben. Im Moment bin ich aber noch etwas schwach wegen der Erkältung, die mich seit 3 Tagen ans Bett fesselt.

Man kann sich (oder jedem anderen Nabaztag Besitzer) Messages via Internet zusenden, die dann vom Hasen vorgesprochen werden. Zum Aufpimpen kann man die Message noch mit blinkenlights Farbmustern versehen, sowie mit Bewegungsvorschriften für die Ohren, welche übrigens auch als Eingabedevice dienen. Man kann die Ohren verdrehen und deren aktuelle Position dann über das Web auslesen.

Im Prinzip war es das auch schon, allerdings läst sich diese Grundfunktion ja beliebig erweitern. Da gibts es z.B. die Uhr, die die volle Stunde vorliest. Dann den Wecker, der einen morgens aus dem Bett holt. RSS Feeds lassen sich natürlich auch instantan vorlesen.

Das Geschäftsmodell von Nabaztag sieht vor, dass man für all diese Dienste zahlen muss (einige kostenlose Grundfunktionen ausgenommen). Das ist allerdings etwas blöde, weil das wird einem erst bewusst, wenn man den Hasen gekauft und angemeldet hat. Die Preise sind allerdings recht niedrig, und ich bin mir sicher, dass es bald Hacks gibt, wie man das Zahlmodell umgehen kann (für RSS Feeds zahlen wiederspricht IMHO komplett der Natur von Web 2.0).

Update:
Hab mal einen kleinen Video gedreht, in dem man die Funktion vom Nabaztag sehen kann. Ich bin dazu auf die Webseite von nabaztag.com gegangen, habe eine Message eingegeben und diese probelesen lassen (das hört man im Video als erstes leise aus dem Off). Danach schickte ich die Message zum Hasen (was ein paar Sekunden dauerte) und dann meldet dieser sich mit seiner Fanfare (die kann man auswählen) und seinem Farbmuster (auch frei wählbar) und liesst dann den Text vor.

Da sich die beiden Sprachausgaben sehr ähneln, gehe ich fast davon aus, dass im Hasen selber keine speech-engine sitzt, sondern dass nur vorgerenderte Files übertragen werden. Das ist allerdings kein Manko, weil die derzeitige speech-engine saugt grossse Steine durch Strohhalme - da gibt es echt besseres auf dem Markt. So könnte man sie in Zukunft austauschen auf Serverseite.

Klickst du hier: Nabaztag_Message_Test.mp4

Update:
Ich bin mir mit meiner Theorie, dass die Textfiles vorgerendert werden und als Audiodatei an den Hasen übertragen werden, mittlerweile fast sicher. Habe auch schon den Anbieter der TextToSpeech Engine herausgefunden. Dieser wirbt auch ganz offen mit Violet (= Hersteller vom Nabaztag) als Kunden.

“The quality of the speech synthesis is obviously a great success with the people who buy Nabaztag. The intensive use of the service via the Nabaztag website shows the pratical interests of text to speech.” Says Olivier Mével, from Violet.

Acapela is proud of this new experience, that by giving a voice to innovative communicating objects, personalities such as Nabaztag spring to life ! Nabaztag is available for 95€ in major stores in France (Fnac, Virgin, Bon Marché, Colette, Robopolis, Frank & Fils, Printemps design). Sales should begin in the UK, Belgium and Switzerland soon.

Das Ganze nochmal zum Selberanhöhren.

Update:
OK, nun ists offiziell: der momentan verkaufte Nabaztag kann - obwohl der Pixmania Shop anderes suggeriert - nur 802.11b, also 11MBit/Sek. Was natürlich neben dem WEP eine deutliche Einbuße für das heimische WLAN bedeutet, sobald das Teil aktiv wird. Ausserdem sollte man beachten, dass es in Deutschland in Zukunft Probleme geben könnte, wenn man sein Netz, “nur” mit der schwachen WEP Verschlüsselung versieht.

Der Sound wird auch nicht im Gerät von MP3 dekodiert, sondern kommt (vermutlich) als ADPCM an, weil der verbaute Chip kein MP3 beherrscht. Dafür kann er lustige polyphone Musik generieren, weil er eigentlich als Audio Device für Handies konzepiert wurde.

Allerdings habe ich auch einige hackerfreundliche Sachen herausgefunden: man kann das Teil mit bis zu 64KByte grossen Bytecode Programmen bestücken und diese ausführen lassen. Wozu das gut sein kann, ist mir allerdings noch nicht klar. Jedenfalls gibt es hier ein PDF mit der Beschreibung des Sprachumfangs und da einen online Assembler/Disassembler. Ausserdem gibt es hier die API, um sich kleine Services selber zu basteln.