TrekStor MovieStation maxi t.u

Ich habe mich an diesem Wochenende nach einen Ersatz für meinen KISS DP-600 umgesehen. Prinzipiell ist das Teil ja schon voll in Ordnung, nur stört mich, daß ich immer den Fileserver laufen lassen muß, um den Content von dort zu streamen (der Server macht nämlich ein mir unangenehmes Geräusch).

Ausserdem ist es nervig, dass die teilweise falsch enkodierten Filme (Letterbox enthalten, Anamorphflag nicht gesetzt usw.) nicht im richtigen Seitenverhältnis auf dem 16:9 Plasma landen bzw. mich manchmal die Pillarbox-Ränder beim korrekt dargestellten 4:3 Material stören.

HD-Fähigkeit war mir erstmal nicht so wichtig. Ich hätte dann nämlich in eine DVICO TVIX 5100SH investieren müssen, was ein Loch von knapp 500 EUR in die Haushaltskasse gerissen hätte - alternativ ein LimHD 200i, welches übrigens seit neustem in der Beta die H.264 MKVs beherrscht!

Kurzum: die neue Lösung mußte eine große, leise Platte beinhalten, HD war nicht wirklich wichtig, das Teil muß alles Fressen, was ich ihm vorwerfe und gute Möglichkeiten zum Skalieren des Bildmaterials haben.

Die Lösung fand ich in einem Tip, den mir ein Arbeitskollege gab: TrekStor MovieStation maxi t.u

In dem schwarzen Aluminiumgehäuse befindet sich eine 400GB Festplatte von Western Digital, es gibt aber auch Lösungen mit 250, 320 und 500 GB. Da im lokalen Blödmarkt nur das 400er Modell zu haben war, nahm ich die. Wegen der Kühlwirkung des Gehäuses braucht das Gerät keinen Lüfter und da die Platte im Betrieb angenehm leise ist, hat man kaum Lärmemissionen zu befürchten (beim Positionieren des Lesekopfs ist die Platte allerdings recht laut, das fällt aber nur im Browsermenue auf, nicht beim Film-Sehen).

Am USB Bus meldet sich die MovieStation als “Prolific Technology Inc.”. Die Datenübertragung läßt keine Wünsche offen und bewegt sich im Bereich üblicher USB 2.0 HighSpeed Geräte. Für die Bestückung der 400GB sollte man sich jedoch einen Tag Zeit nehmen. sigh

Auf der Rückseite ist neben dem USB Anschluß noch die Netzteilbuchse, ein optischer TOS Link und 2 proprietäre 3.5” Klinkensteckerbuchsen. Die eine nimmt die Kabelpeitsche mit den Composite und Stereoton Cinchsteckern auf, die andere ein spezielles Komponentenkabel (YUV, YPbPr). Die Menue-Bildqualität ist erträglich. Auf meinem Plasma war der HD Modus 480p mit 60Hz der beste von allen. In den hochskalierenden 720p und 1080i Modi war das Bild leicht schwammig, im Composite Betrieb waren die Kanten im Menue stark ausgefranst. Die Filmwiedergabe selber war jedoch immer durchaus brauchbar.

Ich habe meine MovieStation mit Komponentenkabel ans Plasma und mit TOS Link an den 5.1 Verstärker angeschlossen. Die Einrichtung ging schnell über die Bühne. Allerdings hatte ich anfänglich die Klinkenstecker nicht tief genug in die Buchse gerammt - ich brauchte eine Weile um den Fehler zu lokalisieren.

Ein Blick ins Handbuch brachte dann aber erstmal die große Ernüchterung: MPEG-4 (und DivX) gibt es nur bis maximal 720×400. Zum Glück stellte sich dann in den Tests heraus, dass diese Information entweder falsch oder überholt ist. Jedenfalls hab ich erfolgreich MPEG-4 und DivX mit höheren Auflösungen abspielen können (PAL 720×576). Bis zu welcher Datenrate der Chip dekodiert weiß ich leider erst, wenn ich das Gerät aufgeschraubt habe und ich mir ein Bild über die verbauten Chips machen konnte. Mein MPEG-4 Testfootage zwischen 800 und 2000KBit/Sek hat das Ding jedenfalls gefressen.

Überhaupt fraß das Ding so ziemlich alles, was man ihm vorgeworfen hatte - und um es gleich vorne weg zu nehmen: ja, auch XviD. Ich habe MPEG-4 im AVI und DIVX Container getestet. DivX 3,4 und 5, MPEG-1 und 2. Bei den Audiocodecs habe ich noch nicht alles durch, aber hier scheint es wohl Lücken zu geben (siehe unten).

Ziemlich genial ist die Steuerung: alle Funktionen liegen intuitiv belegt auf der griffigen Fernbedienung, die einen wertigen Eindruck macht. Man kann vor- und zurückspulen und mit zwei Tasten schnell durch den Film springen (die Sprungweite läßt sich auf 1,3,5,10 und 15 Minuten einstellen). Das klappte mit allen Filmen, bei denen ich es getestet hatte.

Der allergrößte Bonuspunkt für mich war jedoch die fast stufenlose Bildpositionierung und Skalierung. Im 10er Pixeltakt kann man das Bild horizontal und vertikal stauchen und dehnen und gleichzeitig verschieben. Das geht sehr flüssig und in Echtzeit. Nie mehr Filme in der falschen Aspect-Ratio und nie mehr schwarze Balken.

Aber da wo viel Licht ist, da ist leider auch viel Schatten. Es gibt einige Kritikpunkte am Gerät bzw. an der verwendeten Technologie, die ich nicht unerwähnt lassen will. Das Ding kommt als FAT32 vorformatiert, vermutlich kann es auch NTFS, aber das kann mein OS X nicht schreiben (zumindest nicht performant). Wie üblich hat man dann ein Limit bei der Dateigröße von 4GB. Richtig große Dateien abspielen ist also schonmal nicht. Außerdem könnte für einige das große blaue LED an der Front, welches rythmisch zu den Plattenzugriffen blinkt, den Weg in die Psychatrie ebnen. Bei mir stehts zum Glück unsichtbar hinter dem Plasma (der IR Sensor für die Fernbedienung ist unten angebracht und der lugt gerade so unterm Plasma hindurch ).

Ein in anderen Foren oder Blogs angesprochener Punkt ist auch mir aufgefallen: manche Filme ruckeln sehr stark. Meist ist dies so, wenn die Datenrate vom Film recht hoch ist. Ab wann das Ruckeln einsetzt, muss ich noch herausfinden.

Leider spielt das Gerät nicht alles ab, was ich getestet hatte. Ich hatte mir von allen Files die Specs notiert, um so zu einem klareren Bild zu kommen, allerdings hat dies nicht sehr viel geholfen. Ich denke, dass ich hier noch einige Tests anschließen muß. Hier mal die Liste:

“Nicht unterstützter Codec” Fehlermeldung:

  • beispiel 1.avi: RIFF (little-endian) data, AVI, 768 x 576, ~25 fps, video: DivX 5, audio: uncompressed PCM (mono, 8000 Hz)
  • beispiel 2.avi: RIFF (little-endian) data, AVI, 640 x 480, 23.98 fps, video: XviD, audio: MPEG-1 Layer 3 (stereo, 48000 Hz)

Massive Artefakte:

  • beispiel 3: RIFF (little-endian) data, AVI, 512 x 384, 25.00 fps, video: DivX 3 Low-Motion, audio: MPEG-1 Layer 3 (stereo, 48000 Hz)

Massive Hänger, kein Ton:

  • beispiel 4.avi: RIFF (little-endian) data, AVI, 320 x 240, 29.97 fps, video: DivX 3 Low-Motion, audio: MPEG-1 Layer 3 (stereo, 22050 Hz)

Kein Ton:

  • beispiel 5.avi: RIFF (little-endian) data, AVI, 320 x 240, ~15 fps, video: DivX 3 Fast-Motion, audio: MPEG-1 Layer 3 (mono, 11025 Hz)

So als Schnellschuss vermute ich mal, dass das Gerät am liebsten ein .AVI vorgesetzt haben möchte, mit einem MPEG-4, XviD oder DivX Codec darin, einer Auflösung um die 640×480, exakte Bildwiederholfrequenz von PAL oder NTSC und den Ton als Stereo-MP3 mit VBR und 44.1KHz. Nicht funktionieren tun MPEG-4 Dateicontainer oder die XviD Optionen GMC und QPel. Vermutlich hat das Teil mit CBR enkodierten Tonspuren auch kein Glück.

Wenn ich noch mehr Material getestet habe, versuche ich mal die Liste zu vervollständigen, um ein genaueres Bild zu bekommen. Feedback ist natürlich auch willkommen.

Update:
Die Fotos sind leider nicht die Besten, da ich sie mit dem Handy machen musste. Wie man eventuell erkennen kann, basiert das ganze Design auf einem Sigma Designs 8511LF Chip, der non-Macrovision Version vom 8510, einem mittlerweile betagten Dekoder.

Genaugenommen ist auf dem Chip eine mit 200MHz betriebene ARM CPU und der Dekoder untergebracht. Üblicherweise läuft dann ein µLinux darin. Der Chip hat Support fuer die Videoformate MPEG-1, MPEG-2 MP@ML, MPEG-4.5 ASP@L5 (aber ohne QPEL und GMC).

Dadurch gibt es Probleme mit vielen Xvid Dateien und das Gerücht kam auf, das Gerät könne gar kein Xvid dekodieren. Leider ist nur eine Hitachi Platte verbaut. Sie ist zwar leise im Betrieb, die Kopfbewegungsgeräusche sind jedoch deutlich hörbar (fällt aber, wie gesagt, nur in den Menues auf und beim Bestücken mit Daten via USB).